In seinem Vortrag bei der IHK Berlin verdeutlicht der renommierte Bildungssoziologe Aladin El-Mafaalani erneut, was viele bereits spüren: Unser Bildungssystem steckt tief in einer Krise. Bildungserfolge nehmen bundesweit ab, psychische Belastungen der Schüler:innen steigen dramatisch, und soziale Ungleichheit verschärft sich trotz aller Bildungsreformen.
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Besonders eindringlich beschreibt El-Mafaalani, wie Schule, statt Chancen zu eröffnen, soziale Unterschiede weiter zementiert. Das von ihm beschriebene „Bildungsparadox“ zeigt: Obwohl heute mehr Menschen höhere Abschlüsse erreichen, bleiben relative Benachteiligungen bestehen. Bildung ist somit nicht automatisch ein Garant für sozialen Aufstieg. Er machte für mich deutlich, dass wir als Gesellschaft gerade nicht verstehen, was in den Grundschulen gerade passiert. In Großstädten sind in den Grundschulen oft mehr als 45% Kinder, die das statische Bundesamt als Kinder mit Migrationshintergrund zählen würde. Defacto sind es mehr, weil Kinder in der vierten Generation nicht gezählt werden. Doch viel deutlicher wird, wenn man sich klar macht, was das konkret bedeutet. Da sind von 25 Kindern 17 Kinder mit diesem Hintergrund und dort werden 12 Sprachen gesprochen, die Kinder kommen aus 8 Ländern und sogar mehr Konfessionen – und diesen Hinweis brachte es für mich auf den Punkt: Ein Kind, das gerade z.b. aus der Ukraine mit 8 Jahren in eine solche Klasse kommt, erlebt Deutschland so. Ein Mix aus vielen Kulturen. Diese Schule ist für dieses kleine Kind Deutschland.
Ein zentrales Versäumnis sieht er in der Digitalisierung: Statt die Chancen neuer Technologien zu nutzen, steht Deutschland vor ungelösten Herausforderungen wie digitalen Risiken und unzureichender Infrastruktur. Und das erleben die meisten Eltern derzeit selbst hautnah. Ich denke, seine Diagnose hier ist absolut zutreffend.
Doch El-Mafaalani bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Er fordert massive Investitionen in frühkindliche Bildung, Ganztagsschulen mit multiprofessionellen Teams und eine Entlastung der Lehrkräfte, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Wir brauchen, sagt er auch - darüber hinaus mehr Engagement der Gesellschaft für Kinder. Wir brauchen zum Beispiel ehrenamtliche Mentor:innen, die diese Kinder unter die Flügel nehmen und sie unterstützen. Das könnten zum Beispiel die vielen Menschen ab 60 Jahre übernehmen. Wenn nur 10 Prozent der 60-Jährigen sich hier engagieren würden, hätte jedes Kind eine:n Mentor:in.
Wir brauchen systemische Lösungen, die komplexer sind als populäre Schnellschüsse. Bildungsgerechtigkeit entsteht nur durch bewusste und differenzierte Veränderungen. Mein Beitrag, um die von ihm beschriebene Miesere zu bewältigen ist Scrum4Schools. Wir brauchen eine Chance die Lehrer:innen zu entlasten. Und hier kann eine neue Form des Lernens die Lehrer:innen befreien, so dass sie wieder mehr Zeit für die Kinder haben, die ihre Hilfe brauchen. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt – schaut auf unserer Website nach oder ihr könnt auch das Buch “From Teaching to Learning” von mir lesen – dort zeige ich, wie man Scrum im Schulbetrieb gewinnbringend fürs Lernen einsetzen kann. Bestellen könnt ihr es in jeder guten Buchhandlung
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