Die wohl bedeutendste Errungenschaft der Menschheitsgeschichte ist nicht die Dampfmaschine oder die Kanone, sondern das Management – zumindest behaupten dies namhafte Experten wie Peter Drucker. Tatsächlich gibt es dafür starke Argumente: Effizientes Management ermöglicht es Gesellschaften, komplexe Projekte erfolgreich umzusetzen. Ob die chinesischen Bauherren der Großen Mauer oder die ägyptischen Architekten der Pyramiden bereits über explizite Management-Theorien verfügten, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass sie bereits intuitiv verstanden hatten, Menschen gezielt zu koordinieren und zu motivieren, um große Ziele zu erreichen.
Mit der Industriellen Revolution entstand das moderne Management, das wir heute kennen. Diese neuen Methoden führten zu einem beispiellosen Anstieg der Produktivität. Das klassische Management basierte jedoch auf einer klaren Hierarchie, an deren Spitze eine kleine Gruppe oder Einzelperson stand, welche alle Abläufe kannte und mittels Anweisungen steuerte.
Genau darin liegt ein wesentliches Problem moderner Organisationen: Das Management wird dadurch zum Engpass ("Bottleneck"). Zentrale Entscheidungsstrukturen konnten früher bei kleineren oder langsam verlaufenden Großprojekten (wie dem mittelalterlichen Dombau) gut funktionieren. In einer zunehmend schnellen, dynamischen Welt sind sie aber nicht mehr angemessen. Laut einer Studie von McKinsey verbringen Manager durchschnittlich 37 % ihrer Zeit allein mit Entscheidungsfindung, was erhebliche Verzögerungen verursacht (McKinsey & Company, 2021).
Agiles Management und insbesondere Frameworks wie Scrum bieten eine Lösung für dieses Problem – allerdings nur, wenn sie nicht zu simplen To-do-Listen reduziert oder durch zu komplexe, bürokratische Skalierungs-Frameworks verwässert werden. Echtes agiles Management verteilt Informationen und Entscheidungskompetenzen neu, was Geschwindigkeit und Flexibilität steigert. Unternehmen, die agile Methoden konsequent einsetzen, reagieren deutlich schneller auf Marktveränderungen und erzielen höhere Produktivität (Rigby, Sutherland & Takeuchi, "The Secret History of Agile Innovation", Harvard Business Review, 2016). (https://hbr.org/2016/04/the-secret-history-of-agile-innovation)
Der zentrale Vorteil agilen Managements besteht darin, Entscheidungen dort zu treffen, wo das notwendige Wissen unmittelbar vorhanden ist. Methoden wie Scrum und Techniken wie Mob-Programming ermöglichen, dass relevantes Wissen schnell bereitsteht und Entscheidungen nahezu in Echtzeit getroffen und überprüft werden können. Automatisierte Prozesse sorgen dabei für schnelles Feedback und unterstützen die Validierung und Anpassung von Entscheidungen.
Es ist wichtig, zwischen agilem Management und agiler Führung klar zu unterscheiden. Während agiles Management die organisatorischen Rahmenbedingungen schafft, ermöglicht agile Führung eigenverantwortliches Handeln auf allen Ebenen der Organisation. Führung bedeutet hier, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen, die nicht ausschließlich aus Daten oder Algorithmen abgeleitet werden können, sondern die menschliches Urteilsvermögen und Mut erfordern. Der Managementforscher Gary Hamel beschreibt dies prägnant: „Das Zeitalter bürokratischer Hierarchien endet, und das Zeitalter von Netzwerken und verteilter Führung beginnt“ (Hamel, "Humanocracy: Creating Organizations as Amazing as the People Inside Them", 2020).
Jedoch reicht die bloße Erkenntnis dieser Notwendigkeit nicht aus, um ein Umdenken im Management zu bewirken. Es wird kaum bestritten, dass Entscheidungen zu langsam getroffen werden und die Informationsflut oft überwältigend ist.
Die Lösung liegt im Erlernen eines neuen, agilen Management-Ansatzes. Scrum bietet dabei einen Einstieg, die grundlegenden Prinzipien lassen sich in speziellen Trainings gut erlernen. Darüber hinaus erfordert agiles Management ein tieferes Verständnis der zugrunde liegenden Haltung, Kenntnisse darüber, wie man Menschen auf unkonventionelle Weise zur Zusammenarbeit motiviert, sowie solides Know-how im Bereich Change-Management. Denn agiles Management bedeutet für viele Organisationen zunächst einmal eine kulturelle und organisatorische Veränderung, die aktiv gestaltet werden muss.
Wenn ihr up-to-date mit bg bleiben wollt, folgt uns auf LinkedIn und YouTube oder stöbert durch unsere Website. Somit wisst ihr auch gleich, wann das nächste Buch von Boris zum Thema ‘Strategic Scrum’ erscheint.