Daily Deadlines – Scrum in der Medien-Branche

July 20th, 2010 10:30 am von Joachim Legat · 2 Comments · Summer School 2010

Kaum eine andere Branche spiegelt die Veränderungen in der täglichen Arbeit, die durch neue Technologien, neue Informationskanäle und die Beschleunigung unserer Arbeitswelt entstehen, stärker wider als die Medien-Branche. Eng gesetzte Deadlines von Projekten extrem kurzer Laufzeit, gleichzeitig sich rasch ändernde Anforderungen und hohe (und steigende ) Qualitätsansprüche seitens der Kunden sind weniger die Ausnahme denn vielmehr Normalzustand. Darüber hinaus ist der Anteil an kurzfristig für Einzelprojekte hinzugezogenen externen Fachleuten und Arbeitskräften in dieser Branche besonders hoch.

All diese Aspekte stellen höchste Ansprüche an die beteiligten Personen. Nicht eingehaltene Termine, hohe Überstundenzahlen und in der Folge ständig sinkende Mitarbeitermotivation  - und damit Produktivität! – scheinen unabwendbare Konsequenzen. Kein Wunder, dass sich diese Branche durch eine besonders hohe Mitarbeiterfluktuation auszeichnet.

Dennoch kann Scrum genau hier seine spezifischen Stärken ausspielen.

Einen wichtigen Stellenwert nimmt dabei das Thema Kommunikation ein – nicht nur im Rahmen der zahlreichen “standardisierten” Meetings (Estimation, Sprint Planning, Daily Scrum, Review und Retrospektive), sondern auch generell durch seine Betonung des Team-Gedanken, der sich durch den Fokus auf ständigen Austausch, gemeinsames Arbeiten an einer Story und gegenseitiges kollegiales Unterstützen im Dienste des Gesamtergebnisses auszeichnet. Die Förderung der Eigenverantwortung des Einzelnen bewirkt die Stärkung der Identifikation mit dem Team und führt, gepaart mit einem möglichst hindernisfreiem Arbeitsumfeld, zu einer Steigerung der Motivation und der Freude an der Arbeit.

Kommunikation ist nicht nur innerhalb eines Teams von Bedeutung, sondern auch zwischen mehreren Teams, die, wie es in der Medien-Branche häufig vorkommt, gleichzeitig für einen großen Account arbeiten. Damit dies optimal funktionieren kann, kommen die Methoden der Skalierung zum Einsatz [1].

Ein zentrales und offen geführtes Company Backlog als strategisches Planungsinstrument zur Priorisierung der User Stories anhand des jeweiligen Business Values eröffnet jedem Einzelnen den Blick auf das große, gemeinsame Ziel, die Bedeutung des eigenen Handelns innerhalb dessen und gegenseitige Abhängigkeiten – gerade bei Agenturen wichtig, wo einzelne Stories durchaus ein gesamtes Projekt ausmachen können.

Die Zusammenstellung der Teams erfolgt interdisziplinär (auch um jedes einzelne Team unabhängig von Experten zu machen, die einem anderen Team angehören), ständiges gemeinsames Arbeiten an einer Story reduziert Wissensmonopole einiger weniger Schlüsselpersonen, die bei Agenturen oft externe Personen sind, die nur kurzfristig für spezifische Aufgaben hinzugezogen werden.

Alle Teams arbeiten in zu einander synchronisierten Sprints, intensive Abstimmungen zwischen den Teams (am Planning Tag und während der Sprints im Scrum of Scrums) wenden Missverständnisse ab und fördern das Erkennen von Synergien. Ständiger Austausch mit Kunden und Usern verhindert, dass an den Anforderungen eines sich in ständigem Wandel befindlichen Marktes “vorbeigearbeitet” wird.

[1] Das Thema Skalierung in Scrum wird in der Summer School in der Woche 6 ab 9. August intensiv behandelt.

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