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Antwort auf Theos Kommentar – Scrum und Festpreis

December 31st, 2009 · 4 Comments · Estimation, Larger Scrum, Scrum, Scrum as Business, Toyota Production System

Die Verbindung von Kosten und Preis in der Softwareentwicklung ist zwar gängige Praxis, basiert aber auf einem, meines Erachtens nach, falschen Verständnis dessen, was wir dort verkaufen.

Das Business-Modell der Auftragsarbeit für Softwareentwicklung ist, schaut man genauer hin, von den Professional Service Firms abgeschaut. Dort wird auch nach dem Modell der Stundenverrechnung gezahlt. Ganz wie bei einem Handwerker. Spannenderweise, ist auch in der Professional Service Firm, exakt das gleiche Problem für den Unternehmer zu erkennen. Wie kann man als Professional Service Firm die Marge erhöhen, wenn der Kunde doch weniger Geld zahlen will?
 Das geht in den großen Unternehmensberatungen dieser Welt immer nach dem gleichen Schema. Verkaufe günstige Ressourcen zu hohen Tagessätzen und verkaufe möglichst viele Tage. Exakt das gleiche versuchen IT-Dienstleister. (Alleine der Name verrät in welchem Business, sich diese Firmen wähnen.)

Dieses Business-Modell ist aber nur ertragreich, wenn ich nicht die Leistung liefere, die der Kunde erwartet. Denn sonst wäre es tatsächlich nur kostendeckend.

Faszinierenderweise haben es die meisten Firmen, die Software Entwicklung anbieten geschafft, in einem wachsenden Markt ein Business-Modell zu etablieren, das niemand in anderen Bereichen der Wirtschaft akzeptieren würde. [1] Erpressung und Täuschung, Qualitätsdefizite und Applikationen, die erst nach Jahren der Weiterentwicklung stabile Zustände erreichen.

In einem Scrum Entwicklungsprojekt ist time-and-material gerade nicht sinnvoll, weil:

1) Wie soll denn ein Kunde wissen, was er kauft, wenn sich während des Projektes alles ändern kann. Bleiben wir beim Hausbau. Stell dir vor, du könntest während des Baues mit dem Architekten vereinbaren, dass du noch mehr Zimmer haben willst. Das geht alles, aber würdest du anfangen, bevor du nicht mindestens weißt, was für ein Haus du bauen willst? Wo es stehen soll? Aus welchem Material es bestehen soll? Wie das grobe Design deines Hauses sein soll?

Ich nicht … NATÜRLICH MUSS ES EIN PFLICHTENHEFT GEBEN UND NATÜRLICH MUSS KLAR SEIN, WOVON WIR DA REDEN. 
AUCH BEI SCRUM!!!!!!!!
 UND unser PFLICHTENHEFT IST KEINE DETAILBERSCHREIBUNG JEDES EINZELNEN ZIMMERS, SONDERN EINE KLARE AUSSAGE DARÜBER, WOHIN WIR UNS BEWEGEN. Und ja, dann kann man sehr wohl einen Festpreis anbieten.

2) Wieso soll ich denn meine Kapazitätssteigerung an den Kunden weitergeben? Mal ehrlich, erklärt mir das mal. Ich habe von 2002 bis 2005 jahrelang versucht, herauszufinden, warum es sinnvoll sein soll, das zu tun. Erfolglos!

Es macht aus Unternehmersicht, aus Sicht des CTOs, aus der Sicht des IT Entwicklungsleiters nämlich keinen Sinn. Wieso soll er denn seinen Produktivitätsgewinn, seine Effizienzsteigerung durchreichen? Das ist irre! Das wäre wirtschaftlicher Unsinn. Toyotas werden doch auch nicht billiger, obwohl die Firma effektiver und effizienter wird. Big Macs kosten auch jedes Jahr mehr, obwohl der Laden ständig effizienter wird. (Jetzt kann man schon selbst am Terminal bestellen. Geht schneller, kostet keine Arbeitszeit.)

Einer meiner Kunden hat jetzt genau dieses Problem. Er erarbeitet mit weniger Arbeitsstunden für seinen Kunden MEHR Applikation. Aber sein Umsatz geht jetzt, (wegen Scrum) zurück. Wahnsinn! Lasst uns Scrum sofort wieder abdrehen!!  Das wäre und ist die einzige  logische Reaktion in diesem Business-Modell.

Wir erzeugen Produkte, also müssen wir auch Produkte und nicht Dienstleistung verkaufen! Und zwar möglichst zu dem Preis, der in genau unserer Nische, in unserem Marktsegment der richtige ist.

Ein letztes Beispiel. Ich habe mir nach Jahren endlich einen Traum erfüllt. Ich bin beim Maßschneider gewesen und habe mir einen Maßanzug machen lassen.

Was glaubt ihr, was ihr bezahlt? Nein, nicht die Arbeitsstunde, sondern irgendeinen Preis, den ihr bereit seid zu zahlen. Er selbst lässt die Dinger in Deutschland bei einem Zulieferer nach Maß nähen. Dann kommt der Anzug und dann wird er noch einmal angepasst.

Preis und Kosten haben NICHTS miteinander zu tun. Der Markt bestimmt den Preis, nicht der Anbieter. [3]

[1] Im Bereich des Handwerks kann man darüber noch einmal streiten: “Handwerker werden nachträglich bezahlt, wenn sie fertig sind. (Hier gibt es übrigens auch ähnliche Probleme, werden aber z.B. von guten Architekten eingegrenzt.)”

[2] Dieser Artikel ist als Reaktion auf Theos Antwort am 24.12. entstanden.

[3] Das ist sehr sehr schmerzlich für viele viele Firmen zu verstehen. Scrum erzwingt ein neues, verändertes Business-Modell. Scrum macht genau das aber auch erst möglich.

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