Agile Teams organisieren ihre Prozesse, Strukturen und ihre Performance über ein hohes Maß an Kommunikation. Kurz gesagt, Selbstorganisation ist gleich Kommunikation. Für die Führung agiler Teams, ob disziplinarisch oder lateral, gehört das Initiieren und Gestalten von funktionalem, aber auch sozialem Austausch zu den zentralen Aufgaben. Die verschiedenen “Spielfelder”, die für die interne Teamkommunikation relevant sind, müssen im Auge behalten und bei Bedarf aktiv entwickelt und gesteuert werden.

Teamkommunikation findet grundsätzlich auf zwei Ebenen statt. Zum einen auf der sachlich-fachlichen und zum anderen auf der emotional-sozialen Ebene. Beide können natürlich nicht wirklich unabhängig voneinander betrachtet werden, sie wirken in der Praxis permanent aufeinander ein. Es zeigt sich jedoch in den Teamprozessen, dass im Alltag situativ unterschiedliche Schwerpunkte zu erkennen sind und die vier Spielfelder durchaus unterschiedlich gut funktionieren können. Folgendes Modell kann für Teamentwickler und Führung eine Folie zur Analyse und Intervention bezogen auf die komplexe Teamkommunikation sein.
Spielfeld_Teamkommunikation

Im Mittelpunkt von selbstorganisierter Teamarbeit steht naturgemäß das Feld Fachinformation und Austausch - im Sinne von fachlichen und organisatorischen Absprachen, gegenseitigem Lernen. Kommunikation in diesem Feld entscheidet wesentlich über die Performance des Teams. Probleme können dann entstehen, wenn es im Team Wissensmonopole gibt, wenn nicht genügend Zeit für den Austausch zur Verfügung steht oder sich genommen wird, unklare Botschaften gesendet werden, z.B. zu viel E-Mail statt direkter Austausch, etc.

Entwicklungsfragen zu diesem Feld sind u.a.:

  • Wie wird mit Bring- und Holschuld von wichtigen Infos umgegangen?
  • Wie sind die fachlichen Informationen im Team verteilt?
  • Ist der Informationsfluss geregelt und gut strukturiert (z.B. Daily Scrum)?
  • Wie sind die Zugänge zu sachlichen Informationen für jeden?
  • Wie funktioniert fachliche Kommunikation horizontal und vertikal?
  • Wird genügend kommuniziert damit alle voneinander lernen können?

Das Feld Auseinandersetzung ist gekennzeichnet von hoher, z.T. unkontrollierter,
Emotionalität. Es steht in der Regel für ungelöste, eskalierende Konflikte und deren
Dominanz über die sachliche Kommunikation. Die eigentliche Arbeit wird partiell aus den
Augen verloren, es droht Schwächung der Leistung. Es kommt zu Koalitionen, die intensiv
miteinander kommunizieren und sozialem und kommunikativem Ausschluss von
einzelnen oder Teilgruppen usw. Es kann aber auch sein, dass Auseinandersetzungen
zu stark vermieden werden, Harmonie über alles gestellt wird. Das bedeutet oft
Stagnation und Mittelmaß, bzw. die Gefahr unvermittelter Eskalationen.

Entwicklungsfragen zu diesem Feld sind u.a.:

  • Wie aggressiv, wie eskaliert ist die emotionale Kommunikation untereinander?
  • Wer kommuniziert wie, mit wem und worüber ?
  • Wie stark ist die Leistung des Teams betroffen, eingeschränkt?
  • Welche Interessen stehen gegeneinander?
  • Wie hoch ist die Gesprächsbereitschaft untereinander noch?
  • Welchen Anteil an der Kommunikationen haben die persönlichen Befindlichkeiten?
  • Wird nur angegriffen oder werden auch gemeinsame Lösungen gesucht?
  • Braucht das Team evtl. Unterstützung zur Konfliktklärung?
  • Hat das Team zu wenig Mut, bzw. Kompetenzen zu Konfliktbewältigung?
  • Müssen Auseinandersetzungen auch mal bewusst provoziert werden?

Das Feld Small Talk definiert die entspannte, beziehungsorientierte Kommunikation im Team. Hier wird über Privates und Alltägliches gesprochen und soziales Miteinander gepflegt. Small Talk ist wichtig für den Abbau von Stress und das persönliche Kennenlernen auf einer nicht leistungsbezogenen Ebene. Und ein oft unterschätztes Element von Teamgeist und Wir- Gefühl. Probleme können hier eigentlich kaum auftreten, höchstens wenn zu viel oder zu wenig Small Talk läuft.

Entwicklungsfragen zu diesem Feld sind u.a.:

  • Ist genügend Zeit für diese Art der Kommunikation?
  • Wird in den Pausen nur über die Arbeit gesprochen?
  • Fördere oder behindere ich als Führung Small Talk?
  • Gibt unsere Unternehmenskultur dafür Räume, dürfen wir das?
  • Sind möglichst alle eingebunden, wenn nein, wer nicht und warum?
  • Gibt es auch außerhalb des Unternehmens Räume für das Zwischenmenschliche?
  • Feiern wir uns und unsere Erfolge angemessen?

Spannend ist das Feld des Dialogs. Hier kommuniziert das Team im kooperativen Dialog und bearbeitet gemeinsam vor allem komplexe fachliche Probleme und innovative Themen. Dieses Spielfeld heißt, in unterschiedlichen Meeting- und Workshop-Formaten zu kommunizieren und sich mit positiver Emotionalität, Engagement für das Ganze und hoher Fachkompetenz einzubringen. Dialog heißt Austausch auf höchstem Niveau und immer mit dem Fokus auf der Sache. Probleme können hier mangelnde Dialogbereitschaft, “Kopfmonopole”, schlampige Meetings, fehlende Methoden, zu wenig Beteiligung u.a. sein.

Entwicklungsfragen zu diesem Feld sind u.a.:

  • Sind alle im Team dialogfähig und -willig?
  • Wie leben wir tatsächlich unsere Meetingkultur?
  • Sind Meetingregeln und Strukturen vorhanden und effektiv umgesetzt?
  • Haben wir wirkungsvolle Methoden und Techniken?
  • Sind alle oder zumindest die meisten mit Engagement und Herzblut dabei?
  • Haben wir Spaß und Freude an gemeinsamer, kreativer Problemlösung?
  • Wie treffen wir im Team Entscheidungen? Sind wir darin effektiv?
  • Werden Ergebnisse und Maßnahmen committet und nachhaltig umgesetzt?
  • Kümmern wie uns um angemessene Kontrolle?

Diese vier Felder kennzeichnen die komplexe und anspruchsvolle Vielfalt der Kommunikationsprozesse in selbstorganisierten Teams. Weit mehr als in konventioneller Teamarbeit sind alle im Team aufgefordert, diese vier Felder optimal mitzugestalten und zu entwickeln. Führung als funktionales Mitglied des Teams sollte sich hier schwerpunktmäßig als Moderator, Impulsgeber und konstruktiv-kritischer Beobachter verstehen und sich entsprechend einbringen. Das heißt, Feedback geben, ggf. Trainer sein, Rahmenbedingungen schaffen, Impediments aus dem Weg räumen.
Wie im Fußballspiel: Auf dem Platz spielt dasTeam, in der Kabine agiert der Coach.

Wie geht das – die Kommunikation im Team fördern und gestalten? Antworten darauf gibt es im Training “Team Booster” mit Dieter Rösner – alle Infos hier

Dieter Rösner gilt im deutschen Sprachraum als einer der herausragendsten Trainer und Pioniere in den Themenkreisen Moderationstechnik und Führung. Seit 20 Jahren zeigt er Menschen in Unternehmen die unterschiedlichen Facetten der Führungs- und Managementpraxis, der Team- und Organisationsentwicklung. Im Rahmen der externen Contrain-Collegs bildet Dieter Rösner Prozessbegleiter und Business Coaches aus. Für bor!sgloger übernimmt er das begleitende Coaching von Managementteams und Führungsverantwortlichen bei der Einführung von Scrum und behandelt die damit zusammenhängenden Aspekte der Organisationsentwicklung. Gemeinsam mit Boris Gloger hat er die Scrum Supplements entwickelt.