Der Titel ist vielleicht etwas ungerecht. Denn ich glaube jeder, der sich entscheidet mit Scrum zu starten, begibt sich schon in gewisser Weise aus seiner Komfortzone heraus.

Trotzdem erlebe ich es immer wieder auf Projekten, dass die an der Transition Beteiligten oft wenig Einblick und somit auch Verständnis für die Arbeit, Probleme und Herausforderungen der anderen Rollen haben. So fällt es den Transition-Team-Mitgliedern oft schwer zu erkennen, welche Probleme und Impediments die Teams denn nun wirklich haben, oder was die ScrumMaster den ganzen Tag so tun. Die Teams und ScrumMaster hingegen wundern sich, womit sich das Transition Team beschäftigt und was sie als Top Prio im Veränderungsprozess hin zu Scrum bewerten. Aber auch innerhalb des Product Owner oder ScrumMaster Teams kann es dazu kommen, dass die Rolle ganz unterschiedliche gelebt wird. Da jeder gerade zu Beginn sehr viel mit sich selbst und der Veränderung der eigenen Rolle beschäftigt ist, bleibt das Verständnis für andere Teams, Herangehensweisen und Situationen etwas auf der Strecke.

In einem Projekt hat das Transition Team sich eifrig den Kopf darüber zerbrochen, wie man die Rolle und das Ansehen des ScrumMasters steigern könne. Es wurde über telefonische Status-Runden mit dem Top-Management, Einfliegenlassen zur Zusammenarbeit mit dem Rest des Teams bzw. der Organisation vor Ort (Teile des Teams und die ScrumMaster waren in Indien) nachgedacht und und und … Alles gute Ideen und sicherlich sinnvoll. Vielleicht nicht unbedingt das erste Mittel der Wahl, um den Status der ScrumMaster zu erhöhen. Als ich dann in die Runde der Manager fragte, wer von ihnen bereit wäre, sich für ein paar Wochen in die Rolle des ScrumMasters zu begeben, um auch innerhalb der Organisation die Bedeutung klarzumachen, erntete ich von erschrockenen Blicken bis zu betretendem Schweigen viele Reaktionen. Nur keine davon zielte darauf ab, sich aus der Komfortzone zu bewegen.

Tipps für Mitglieder des Transition Teams

  • Rolle des ScrumMasters oder des Product Owners einnehmen
    • Tauscht mal für 2-3 Sprints die Rollen mit einem ScrumMaster oder Product Owner. Entweder geht die andere Rolle dafür ins Transtition Team oder begleitet / shadowed euch und gibt euch Feedback. Beides hat natürlich seine Vor- und Nachteile: Beim Shadowing bekommt der SM/PO nochmal einen völlig anderen Blick auf sein Team und auf seine Rolle. Als Mitglied im Transition Team versteht er/sie vielleicht besser um die Schwierigkeiten dort und der Austausch zwischen den beiden Rollen/Teams wird angeregt.
  • Entsendungen in die Dev-Teams
    • Vielleicht können Transition Team Mitglieder aus der früheren Tätigkeit einen Beitrag in einem Dev-Team leisten und für ein oder mehrere Sprints in einem Dev-Team mitarbeiten. So können Impediments direkter aufgenommen und “am eigenen Leib” erfahren werden.
  • Patenschaften
    • Transition Team Mitglieder können für jeweils ein Scrum-Team eine Patenschaft übernehmen. Somit hat z.B. der Scrum-Master einen direkten Draht ins Transition Team und die Teams bekommen das Gefühl, dass ihre Belange auf direktem Wege dort hin gelangen können. Die Bedeutung der Teams wird herausgestellt.

Tipps für ScrumMaster/Product Owner

  • Teams wechseln
    • Wenn es auch andere Scrum-Teams in eurem Unternehmen gibt, versucht mit euren SM oder PO Kollegen zu tauschen. Natürlich muss die aktuelle Situation dazu passen und die Teams müssen grundsätzlich einverstanden sein. Dann kann jedoch ein solcher Tausch wirklich für alle ein Gewinn sein. Ich bin auch überzeugt, dass man für eine kurze Zeit (ein paar Sprints) ein Team übernehmen kann, in dem aus PO Sicht die Fachlichkeit weniger beherrscht wird als im anderen Team. Die Abstimmung kann ja mit dem eigentlichen PO weiterlaufen. Spannend ist auch ein Impediment Backlog von einem anderen SM zu übernehmen und sich dann gemeinsam Experimente zur Verbesserung zu überlegen.
  • Unternehmen wechseln
    • Bekommt man die Möglichkeit, in einem anderen Unternehmen eine solche Rolle wahrzunehmen, sollte man das auf jeden Fall tun. Corinna versucht z.B. hier eine solche Plattform zum Wechsel aufzubauen: http://finding-marbles.com/2013/05/10/agile-lean-teamup-exchange/! Vielleicht ergibt sich etwas bei agilen Stammtischen. Es muss ja nicht immer gleich ein ganzer Sprint sein. Ein Sprintwechsel oder 2 Sprintage können oft schon einen guten Einblick geben. Man kommt dann ganz anders in das eigene Team zurück und hat im besten Fall einen Sparring-Partner außerhalb des eigenen Unternehmens gefunden.
  • Rolle wechseln
    • Versucht mal als Product Owner die Rolle des ScrumMasters und umgekehrt wahrzunehmen. Auch hier – probiert es so lange, wie es euch sinnvoll erscheint. Oder fragt Mitglieder des Dev-Teams, ob sie Lust auf ein solches Experiment haben.

Ich freue mich auf Erfahrungsberichte oder andere Ideen!

Avatar of Kristina Klessmann
Über Tatsachen reden statt Floskeln zu schwingen ist die Art und Weise, wie Kristina Klessmann an ihre Arbeit herangeht und dabei verlangt sie nicht nur von anderen, sondern vor allem von sich selbst Flexibilität im Denken. Direkte Fragen, die von ehrlichem Interesse getragen und manchmal mit ein wenig Ironie garniert sind, sind für sie der Schlüssel zum Gegenüber. Pragmatismus im Handeln, anpacken und auch den ersten Schritt für andere in die Veränderung zu gehen, ist ihre zweite große Stärke.