Als ScrumMaster hat für mich die Produktivität meines Entwicklerteams die höchste Priorität. Impediments, sprich Blockaden, zu identifizieren und aus dem Weg zu räumen ist dabei meine hauptsächliche Tagesaufgabe. In einem meiner Projekte lief das mal auf ganz andere Art und Weise.

Ich seh etwas, das du nicht siehst

Ich drehte wieder einmal meine Runden durch unser Großraumbüro und da fiel mir plötzlich auf, dass einige Entwickler Schwierigkeiten mit dem Sehen zu haben scheinen. Das merkt man zum Beispiel an  verkniffenen Gesichtern, unnatürlichen Kopf- und Körperhaltungen oder gar gerötete Augen.

Als ursprünglicher Augenoptikermeister war ich gleich wieder in meinem alten Element und betrachtete das Thema Software-Entwicklung einmal mit ganz anderen Augen. Ich stellte mir die Frage, wie ein Entwickler wohl produktiv sein kann, wenn ihn aufgrund der nicht idealen Brille für den Arbeitsplatz brennende Augen, Rücken oder Kopfschmerzen plagen. Denn häufig ist dem so. Passt die Brille nicht zum Arbeitsplatz oder die Stärke der Brillengläser ist nicht mehr die aktuelle, hat das die eben beschriebenen Folgen.

Viele Menschen klagen darüber. Oft müssen sich Menschen am PC-Arbeitsplatz sogar täglich die Frage stellen: „Will ich gut sehen oder bequem sitzen?” Das eine darf im Idealfall das andere natürlich nicht ausschließen. Mit der richtigen Brille. Abhilfe muss also her.

Über alte Kontakte organisieren wir nun eine „Sehtest-Initiative“, in der ich den Entwicklern eine Augenüberprüfung anbieten möchte, um daraufhin mit einer Messbrille die ideale Korrektion der Sehschwäche direkt am Arbeitsplatz zu simulieren. Dem Entwickler kann der Nutzen einer optimalen Versorgung auf diese Art und Weise direkt vor Augen geführt werden. Im wahrsten Sinne. Und dies direkt an seinem Arbeitsplatz.

Lassen wir uns überraschen. Die Aktion wurde von den Team-Mitgliedern mit Vorfreude aufgenommen und wir organisieren derzeit das nötige Equipment für die Messungen über einen ortsansässigen Optiker.

Das formulierte Ziel ist jedenfalls klar: Produktivität bei gutem Sehen und bequemer Kopf- und Körperhaltung.

Wann ist ein Impediment ein Impediment?

Impediments sind häufig gar nicht so sichtbar und es ist eine Herausforderung , diese letztlich doch immer wieder zu identifizieren. Lange habe ich mich gefragt, wann ist ein Impediment wirklich ein Impediment und wann nur eine Kleinigkeit? Letztlich habe ich für mich und meine Arbeit herausgefunden, dass tatsächlich alles, was das Team davon abhält produktiv zu sein, ein Impediment darstellt. Und sei es nur die defekte Schreibtischlampe, deren Neubeschaffung in großen Konzernen leider Tage und zig Unterschriften bei Einkauf, Management etc. in Anspruch nimmt.

Also arbeite ich nach dem Motto: “Nichts ist zu klein, um ein Impediment zu sein.”

Nahe beim Kunden sein, aus seiner Perspektive denken und entsprechend handeln. Das sind wesentliche Ziele agiler Methoden und Christoph Bedürftig macht genau das seit vielen Jahren. Agilität ist für Christoph nichts, was nur in einer einzigen Branche gelebt werden kann. Den Schritt von der Augenoptik zu Scrum hat er gewagt, weil er selbst keine Angst vor Neuem hat und weil trotz aller Technisierung - gerade in der Produktentwicklung - der Mensch die zentrale Rolle spielt, sowohl als „User“ als auch als Mitarbeiter. Dieses Interesse für den einzelnen Menschen erleben die Teilnehmer seiner Trainings deutlich durch seinen Humor, seine Empathie, die Beobachtungsgabe und die Freude an der Kommunikation.