Manchmal ertappe ich mich dabei, etwas ungeduldig zu werden, wenn Teams nicht sofort auf sinnvolle Vorschläge anspringen. Dabei weiß ich natürlich ganz genau, dass man nur das (gut) tut, von dem man auch überzeugt ist.

Ein anderer ScrumMaster erzählte mir dann, wie er kürzlich mit einer solchen Situation umgegangen ist. Er hat den Spieß quasi umgedreht. Nachdem das Team über die Vor- und Nachteile einer bestimmten agilen Praktik (automatisierte Tests) diskutiert hatte und sich dann als Team dafür entschieden hatte, diese Praktik fortan anzuwenden, hat er sich nochmals davon überzeugen lassen, um die Entscheidung zu verstärken.

Er begab sich in die Position/Haltung des Nichtwissens und ließ sich von den Teammitgliedern erklären, warum sie nun „unbedingt“ die Praktik einführen wollen. Dabei hat er so getan, als würde er das Vorgehen selbst nicht kennen und somit auch nicht die damit verbundenen Vorteile. Mit interessiertem Nachfragen hat er das Team dazu gebracht, ihm genau zu erklären, wie diese Tests funktionieren und warum es gut ist, automatisiert zu testen. Mit neugierigem Nachfragen hat er sich vergewissert, ob die Wirklichkeit des Gegenübers mit seiner übereinstimmt bzw. hat er die innere Landkarte des Teams besser kennengelernt. Er hat nicht einfach etwas angenommen und sich mit Hypothesen aus der vorangegangenen Diskussion zufrieden gegeben, sondern über diese Intervention seine und die vom Team konstruierte Wirklichkeit miteinander abgeglichen.

Nach einiger Zeit sagte er dann: “Achso, ihr wollt also diese automatischen Tests machen!”

Geradezu erleichtert rief das Team im Chor: “JA, GENAU!!!!” (Und meinte damit: “Endlich hat er es verstanden!!!”)

Kann man sich ein schöneres Commitment für die Anwendung einer bisher nicht genutzten agilen Praktik vorstellen, die man an viele Teams nur mit Mühe und Not herantragen kann?

Leider war ich nicht dabei. Bei der nächsten Möglichkeit werde ich mich aber auch mal überzeugen lassen anstatt überzeugen zu wollen!

Über Tatsachen reden statt Floskeln zu schwingen ist die Art und Weise, wie Kristina Klessmann an ihre Arbeit herangeht und dabei verlangt sie nicht nur von anderen, sondern vor allem von sich selbst Flexibilität im Denken. Direkte Fragen, die von ehrlichem Interesse getragen und manchmal mit ein wenig Ironie garniert sind, sind für sie der Schlüssel zum Gegenüber. Pragmatismus im Handeln, anpacken und auch den ersten Schritt für andere in die Veränderung zu gehen, ist ihre zweite große Stärke.