Liebe alle Scrum Coaches da draußen,

geht es euch auch wie mir?!

Ich sitze im Zug nachhause nach einer gefühlt sehr langen Woche beim Kunden und bin mental sowie physisch komplett erschöpft. Ich habe das Gefühl, dass in diesem Business kein Tag dem anderen gleicht. Wenn ein Tag ohne größere Ereignisse abläuft, kann ich garantieren, dass der Schein trügt. Denn hinter der nächsten Ecke lauert schon irgendetwas, das einen in hochjauchzendes Lachen versetzen bzw. zu Tode betrübt zu Boden werfen möchte.

Anfangs dachte ich mir, das läge an mir. An der Macht meiner Stimmungen. An Unsicherheiten. An Charaktereigenschaften. Mehr und mehr jedoch merke ich, dass diese Belastung nicht nur von mir aus kommt. Selbst Angestellte in der Organisation, die ich berate, haben mir von ihren persönlichen und täglichen Achterbahnen der Gefühle berichtet. Erst da habe ich realisiert, dass dieser Zustand keine Beraterkrankheit ist. Nein. Es ist ganz einfach der Cocktail der Gefühle, der in jedem Unternehmen gemixt werden kann und wird, das eine umfassende Veränderung durchführt. Und auf einen Scrum Consultant wird jede dieser Emotionen direkt abgeladen. Hier. Bitte. Danke. Jetzt schau, wie du damit umgehst. Na servus.

Es hat eine Weile gebraucht, doch mittlerweile weiß ich, wie ich mit dieser oft ungewollten Ladung umgehe. Ganz einfach. Ich mache jeden einzelnen Abend eine persönliche Retrospektive. Was ist heute passiert? Was habe ich heute gut gemacht?! Was könnte ich verbessern?! Wie werde ich das nutzen, um mich zu verbessern?! Sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um diese tägliche Übung durchzuführen, kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Man muss es ja nicht unbedingt auf Flipcharts und mit Post-Its machen…ein einfaches Revue-Passieren lassen und persönliches Brainstorming im Zug bzw. auf dem Rad nach Hause reicht auch oft aus.

Genau so eine Retrospektive habe ich soeben abgehalten. Jetzt erkenne ich auch, dass egal wie k.o. ich mich jetzt fühle, es eine tolle Woche war. Woran ich erkenne, dass sie toll war?! Daran, dass ich wahnsinnig viel gelernt habe und konstruktives Feedback erhalten habe. Jetzt kann ich mich weiterentwickeln – hin zu einem besseren Consultant, einem besseren Scrum Coach, einem besseren Menschen. Das hätte ich ohne diese emotionalisierenden Momente nicht geschafft.

Ich wünsche noch ein schönes Wochenende,

Eure Stephy

Avatar of Stephanie Gasche
Wie wichtig ein respektvoller Umgang miteinander ist, hat Stephanie schon sehr früh gelernt. Als sie 12 war, ist sie mit ihrer Familie in die USA gezogen – ohne wirklich Englisch sprechen zu können – und seitdem ist das Reisen ihre Leidenschaft. Ihr Faible für unterschiedliche Kulturen hat sie mit Studien und beruflichen Engagements in England und Frankreich weiter kultiviert. Gerade die Unterschiedlichkeit der Menschen hat sie dabei zu schätzen gelernt und hier sieht sie auch die Verbindung zu ihrer Arbeit: Jeden Tag hat sie mit den verschiedensten Menschen zu tun, die trotzdem ein gemeinsames Interesse mitbringen: agil zu handeln.
  • Säm

    Eine Retro jeden Abend zu machen ist eine sehr gute Möglichkeit sich selbst zu reflektieren, man sollte aber eine gewisse Struktur anwenden, denn nur wenn man am Ende der Retro weiß was gut und was nicht so gut gelaufen ist, kann man darauß Maßnahmen ableiten, welche man dann wieder rum umsetzen will. Es ist auch ganz wichtig darauf zu achten, dass man diese Dinge dann umsetzt und am nächsten Tag überprüft ob man voran gekommen ist.

  • http://www.facebook.com/patrick.koglin.1 Patrick Koglin

    Man muss nicht unbedingt jeden Tag reflektieren welche Dinge man verbessern könnte. Manchmal tut auch gut einfach nur drei Dinge zu finden die gut liefen und das so stehen zu lassen. Go for it – http://www.agile-is-limit.de