Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zum Jahreswechsel heißt es noch mal zurück zu blicken und sich zu erinnern, an Gelerntes, an Gelesenes, an Gesehenes. Mit meinem ganz persönlichen GUTEN RUTSCH möchte ich mit euch einige meiner Highlights aus 2012 teilen, weil sie mich in meinem agilen Tun geführt, begleitet, inspiriert, berührt oder nachdenklich gemacht haben.

G wie “Gloger”. Boris Gloger und seine Co-Autoren Andreas Opelt, Wolfgang Pfarl und Ralf Mittermayr haben es mit ihrem neuen Buch „Der Agile Festpreis“ geschafft, eine Wissenslücke auf dem IT-Markt zu schließen. Sie schenken IT-Projekten auf der Grundlage agiler Festpreisverträge die verdiente Aufmerksamkeit und setzen dabei das Mindset von Scrum bildhaft, kompetent und kompromisslos fort: anders denken, anders handeln. Ab 20. Mai 2013 auch auf Englisch, erscheint bei John Wiley & Sons.

U wie “User Stories”. Mike Cohns „Suceeding with Agile“ gehört aus meiner Sicht zu den Top 5 in der Scrum-Literatur. Mit seinem Buch „User Stories für die agile Software-Entwicklung mit Scrum, XP u.a.“ reicht es eher zu einer Art Ergänzungswerk. Das soll die Qualität dieses Buchs nicht schmälern. In meiner Bücherliste taucht es aber eher auf, weil „User Stories“ eine zweite (bestätigende) Meinung bietet. Ich würde es aber tatsächlich eher als Sekundärliteratur sehen, als Ergänzung für die ganz Fleißigen.

T wie “The Innovator`s Dilemma”. Drei absolute Schwergewichte der Managementlehre, Clayton M. Christensen (Harvard Business School), Kurt Matzler (Universität Innsbruck) und Stephan F. von den Eichen (Managementberatung IMP) widmen sich einem der spannendsten und zugleich schwierigsten Handlungsfelder im heutigen Management: der Innovation. Warum scheitern führende Unternehmen, obwohl sie offensichtlich alles richtig machen? Was unterscheidet evolutionäre von disruptiven Innovationen? Ich empfehle „The Innovator`s Dilemma“ jedem, der mit Produktentwicklung zu tun hat. An anschaulichen Beispielen aus unterschiedlichen Branchen wird das unlogische Verhalten disruptiver Innovation entschlüsselt und gibt dabei Unternehmern Orientierung auf neuen, unvermeidbaren Wegen.

E wie “Estimating”. Übers Schätzen wurde auch 2012 wieder hinlänglich debattiert, diskutiert und philosophiert. Am Ende des Jahres bleibt, was am Anfang auch schon feststand: wir können keine Aufwände schätzen. Wir können es schlichtweg nicht. Darin sind wir schlecht. Meine Empfehlungen lauten daher: reduce your batch size, keep it simple stupid, frage deinen Bauch und dann schätze Funktionsumfänge. Es geht viel leichter, schneller, freudvoller und mindestens genauso „korrekt“ wie die Schätzung nach einem … Nein, ich schreibe das Wort nicht mehr! Lest nochmal die Blogs von Kristina und Sven zu diesem Thema: Ich schätze was, das du nicht schätzst und Flighty Estimation.

N wie Nonaka und Takeuchi. Innovation ist in aller Munde. Bevor man jedoch innovativ tätig werden kann, braucht es das dafür nötige Wissen, um es zu seinem eigenen (Wettbewerbs-)Vorteil nutzen zu können. Während die Ressource Wissen in der westlichen Welt lediglich zur Informationsverarbeitung genutzt wird (Verbreitung von Daten und Informationen, also explizites Wissen), stellt das Werk „Die Organisation des Wissens“ von Nonaka und Takeuchi den japanischen Ansatz der Wissensschaffung vor. Der japanische Ansatz verfolgt die Idee, vor allem das implizite Wissen jedes Mitarbeiters für alle anderen zugänglich zu machen. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass ein Unternehmen, in dem Wissen implizit (in jedem Einzelnen) zugrunde liegt, als lebender Organismus (ganzheitlich) betrachtet wird. Innovation geht nun mal nicht ohne Wissen – nachzulesen auf über 300 lohnenswerten Seiten.

R wie “Radikal führen”. Nach seinem Bestseller „Mythos Motivation – Wege aus einer Sackgasse“ ist Reinhard K. Sprenger mit „Radikal führen“ erneut ein Durchbruch der inhaltlichen Schallmauer gelungen. Statt eines gelangweilten Stöhnens, weil mal wieder ein Buch über Führung geschrieben wurde, ist es eher ein demütiges Innehalten (was tue ich) und ungeduldiges Weiterlesen (was kann ich dagegen unternehmen, was ich bisher getan habe), das auf euch wartet. Sprenger geht, wie das Wort „radikal“ schon sagt, zur Wurzel, dem Ursprung von Führung zurück und blickt in fünf Kapiteln (Zusammenarbeit organisieren, Transaktionskosten senken, Konflikte entscheiden, Zukunftsfähigkeit sichern und Mitarbeiter führen) auf die tatsächlich zu erledigende Arbeit eines (erfolgreichen) Managers von heute. Bitte lesen – ganz egal, ob ihr schon agil unterwegs seid oder euch erst auf den Weg macht.

U wie “Unfair Game”. Erzählt wird im Film „Moneyball“ von Billy Beane (gespielt von Brad Pitt), dem als aktiven Baseballspieler gescheiterten General Manager des Major Baseball Association-Teams der Oakland A`s. Beanes Team gehört zu den Teams in der Liga, die mit einem niedrigen Jahresetat ausgestattet sind: mittelklassige bis eher schlechte Spieler und die wenigen guten (teuren) Spieler werden von den reichen Teams gekauft. Moneyball gehört aus mindestens fünf Gründen zu meinen Highlights 2012 und wird dadurch zu einem Must-read/Must-watch für jeden, der bereits agil denkt oder 2013 noch vorhat, agiler zu werden:

  1. Neue Perspektiven erschaffen ungeahnte Denkwelten.
  2. Anders Denken bedeutet, zu einer Bedrohung der alten Werte zu werden und geächtet zu sein.
  3. Mut, Offenheit und Leidenschaft als gelebte Werte können Berge versetzen.
  4. Mit Geld kann man nicht alles kaufen.
  5. Nicht (nur) die besten Spieler machen Erfolg aus, sondern das System mit den dafür richtigen Spielern.

Lasst euch überraschen und schaut den Film mit euren Scrum-Teams. Absolut sehenswert!

T wie “Two” oder zweimal T. Während ich jedem ScrumMaster (und agilem Manager) Daniel Mezicks „The Culture Game“  ans Herz lege, empfehle ich allen Product Ownern „The Principles of Product Development – Flow. 2nd Generation Lean Product Development“. Mezick geht dem Heiligen Gral der Agilität auf den Grund: der Lernenden Organisation. In 16 Praktiken und Mustern sieht er einen Erfolg versprechenden Weg hin zum Tribal Learning. Donald G. Reinertsen, dessen Training ich 2012 besuchen durfte, bringt uns durch seine ganz eigene Umschreibung eines Flows die Produktentwicklung näher. Wer ein Faible für Mathematik und kleine Experimente hat und als Produktmanager oder Product Owner Herr seiner Ladeliste werden will, der möge sich schnellstens mit diesem Buch bewaffnen – etwas spröde im Abgang, aber der Inhalt ist äußerst wertvoll.

S wie “Scrum. Produkte schnell und zuverlässig entwickeln”. Dieses Buch gehört in jedes agile Bücherregal und sollte an wirklich jeden Projektmanager weitergegeben werden. Ein Muss für den Agile Leader von gestern, heute und morgen. Die 4., überarbeitete Auflage erscheint übrigens am 17. Jänner 2013.

C wie “Certainty”. Certainty heißt übersetzt Sicherheit oder in diesem Fall vielmehr Gewissheit. Gewissheit ist eine von fünf sozialen Dimensionen, die unser Handeln kontrolliert, indem sie entweder eine negative (Gefühl von Bestrafung) oder eine positive (Gefühl von Belohnung) Reaktion im Gehirn hervorruft. Die Dimensionen S wie Status, A wie Autonomy, R wie Relatedness und F wie Fairness ergeben das Akronym SCARF. Das von David Rock stammende SCARF-Modell gibt meines Erachtens eine vollkommen neue Perspektive auf das Verhalten von Menschen und ihren Wunsch, es ändern, anpassen oder verbessern zu wollen – insbesondere in der Mitarbeiterführung. David Rocks „Your Brain at Work“ ist nicht nur deshalb ein wirklicher Hingucker.

H wie Heath & Heath. Mit „Switch – how to change things when change is hard“ machen die beiden Brüder Dan und Chip Heath Lust auf Veränderung – Veränderung an uns, an anderen, an Unternehmen – nicht zuletzt, weil Veränderungen immer einem gemeinsamen Muster folgen. Die zwei Autoren verwenden anschauliche Beispiele, die sie entlang von drei Metaphern untersuchen: Der Elefant steht für die Macht der Gewohnheit, der Reiter versucht den Elefanten zu steuern und den Weg, den sich der faule Elefant oft einfach trampelt, um weiterhin seinen alten und tradierten Gewohnheiten nachgehen zu können. Der Reiter hingegen möchte ihn gangbar machen, um seine Ziele zu erreichen. Heath & Heath laden dazu ein, die Veränderungen am eigenen Leib auszuprobieren. Ein Geheimtipp für Berater auf der ganzen Welt, um langweilige Zugfahrten zu verkürzen, unnötige Wartezeiten an Flughäfen sinnvoll werden zu lassen oder einsame Abende in tristen Hotelzimmern zu einem echten Event zu machen. Inspirierende Lektüre von Anfang bis Ende.

Einen GUTEN RUTSCH ins Jahr 2013 für euch alle und eure Liebsten. Bin schon gespannt, was dort auf uns wartet.

Avatar of David Holzer
Er kann keine Ikea-Schränke zusammenbauen. Wenn er ein Bild aufhängt, endet das in einem loriotschen Chaos. Aber wenn er Menschen durch neue Situationen führen muss, ist David gelassen und fokussiert. Dort wo andere an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen, vermittelt er Ruhe und Orientierung, kann aber als guter „Leser“ von Stimmungen genauso spontan motivieren.