2012 – Das Jahr geht zu Ende und viele Unternehmen stecken mitten in ihren Transitionen hin zur agilen Organisation. Ob strategisch beschlossen oder durch die eigenen Teams in die Unternehmen gebracht: AGILE setzt sich immer mehr durch und stößt auf Herausforderungen. Die größte Herausforderung in den Organisationen ist die eigene Kultur. Denn ohne einen Wechsel in den Köpfen und Herzen der Menschen wird jeder Wandel zum Spießroutenlauf – mit wenig Hoffnung auf Erfolg. Peter Drucker drückt es so aus: “Culture eats strategy for breakfast” und beide sitzen sich in den Unternehmen täglich beim Brunch gegenüber. Um einen Wandel zu vollziehen, der nicht der hungrigen Kultur zum Opfer fällt, benötigen wir also eine Kultur, die gemeinsam mit der Strategie am großen Kuchen Organisation backt. Ein solcher Wandel gelingt meines Erachtens, wenn man sich nach allgemeingültigen Prinzipien ausrichtet. Prinzipien wie beispielsweise Fairness, Offenheit, Respekt & Freude.

2001 – In diesem Jahr wurde der Grundstein für die Agilität gelegt, das Agile Manifesto. Mit dem Agile Manifesto geben wir Unternehmen eine Orientierung nach Prinzipien, die für den Wandel hin zur agilen Organisation wichtig sind. Eine genaue Ausrichtung – ein true north, um sich stetig zu hinterfragen und neu zu orientieren.

2012 – Wie gehen heute die meisten Organisationen ihre Probleme an? Leider zumeist mit der Denkweise, durch die sie entstanden sind. Hilft das bei der Lösung? Laut Albert Einstein NEIN, denn: ”Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.” Wie versuchen Organisationen ihren Wandel durchzuführen. Nehmen wir das Beispiel der klassischen Organisation zur agilen Organisation: Es wird geplant, geplant, geplant. Am Start sucht man bereits das Zielfoto und das in einem komplexen, globalisierten System, dass lediglich auf Anreize reagiert und nicht gesteuert werden kann. Grundbedingung ist natürlich, dass wir Organisationen als komplexe Systeme begreifen, die am besten durch empirische Prozesse ausgesteuert werden können. Also einen faktenbasierten Prozess, der auf Messung der Ergebnisse beruht – bspw. ein Prozess wie Scrum, der dazu noch einen Change Agent in jedes Team steckt und das im Auftrag der Kultur. Konkret einen Prozess, der sich auf das Tun versteht, der es ermöglicht anzuschauen, zu inspizieren oder wie Johann Wolfgang von Goethe es sagte: “Denken ist interessanter als Wissen, aber nicht als Anschauen.”

2012/2013 – und wie geht es weiter?

Am besten hinterfragen Sie sich regelmäßig, inwiefern Sie selbst hinter diesen Werten stehen, wie stark Sie sich an diesen Werten ausrichten. Eine stetige Reflektion des eigenen Tuns hilft uns in der Zukunft, uns besser an den eigenen “Wunschwerten” auszurichten. Haben Sie schon Vorsätze für das neue Jahr? Vielleicht finden Sie konkrete Punkte zum Anknüpfen und bringen anstehende Tätigkeiten mit den Werten überein.

Als ScrumMaster führen Sie bspw. in der Retrospektive eine Einpunktabfrage für die Werte und wie sie im Team gelebt werden durch. Dadurch sehen Sie bspw. wo ihr Team gefühlt steht und können konkrete Vorsätze zu den jeweiligen Prinzipien/Werten ableiten.

Versuchen Sie, sich bei alten Denkmustern zu erwischen. Wenn Sie solche Momente finden, dann reflektieren Sie diese: Was hätte ich anders machen können oder was kann ich jetzt genau anders machen, anders in Bezug auf ihr Ziel?

In diesem Sinne: “Denken und Tun, Tun und Denken, das ist die Summe aller Weisheit, von jeher anerkannt, von jeher geübt, nicht eingesehen von einem jeden.” (Johann Wolfgang von Goethe)

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Sven spricht viele Sprachen: Von Java und Perl über C# bis XML - sogar ein wenig Japanisch kann er. Der erfahrene ScrumMaster, Product Owner und Software-Architekt aus Nürnberg gibt unumwunden zu, dass er gerne und viel redet, vor allem über Agile Softwareentwicklung im Allgemeinen und Scrum im Speziellen. Aber es gibt immer wieder einen Moment, in dem es ihm vor Freude die Sprache verschlägt: Wenn er erlebt, wie die Menschen, die er auf ihrem Weg mit Scrum unterstützt, plötzlich den Wert ihrer Arbeit spüren.
  • http://www.facebook.com/patrick.koglin.1 Patrick Koglin

    Netter Artikel!

    Für mich als neugierigen: Einpunktabfrage für Werte im Team und wie sie gelebt werden? Wie geht das?

    • http://twitter.com/svnwnk Sven Winkler

      Hi Patrick,

      kommst Du am Montag beim Agile Monday vorbei, dann zeig ich es Dir. Ansonsten geht es um ein Dot-Voting für jede Person mit genau einem Dot. Du stellst einen Satz, den Du ergänzen (bspw. per Skala) lässt wie z. B:

      “Wir kommunizieren im Team ….” kritisch |————————————-| respektvoll

      eine weitere Option ist, dass Du mehr als zwei Antworten und die Skala vorgibst, bspw:
      |kritisch|respektvoll|ungeduldig|freundlich|
      und lässt dort Deine Teammitglieder punkten.

      Klassische Moderationstechnik, die Du in Büchern und Co findest. Wenn Dich mehr interessiert, wir haben dazu einen spitze Kurs von Dieter Rösner im ScrumMaster-Pro Programm: “MeetingFacilitation”.

      Sind teilweise einfache Mittel, aber in Kombination beinahe unschlagbar :-)

      Viele Grüße,
      Sven

  • http://yascrum.blogspot.com/ Sebastian Radics

    Schöner Artikel mit tollen Zitaten. Am Besten gefällt mir “Culture eats strategy for breakfast” – wie wahr ;-) Danke für die Denkanstöße.

    • http://twitter.com/svnwnk Sven Winkler

      Gerne :-)

      … und hier noch eines, was ich heute bei Twitter gefunden habe und was in die gleiche Richtung geht:

      “It is profoundly illogical to think you can change your organisational culture using your current organisational culture!”