Wenn Menschen in Organisationen an einer gemeinsamen Sache arbeiten, kommt es früher oder später zu Konflikten. Nach Berkel (2008) handelt es sich um einen Konflikt, wenn zwei Elemente gleichzeitig gegensätzlich oder unvereinbar sind. Die Ursachen sind meistens breit gefächert, es kann der mangelhafte Führungsstil des Vorgesetzten sein, oder die nicht klar abgegrenzten Aufgabengebiete verschiedener Abteilungen. Als Mitarbeiter ist man dann verärgert über das Verhalten der Führungskraft, den unzuverlässigen Kollegen, die falsche Methode oder den nicht nachvollziehbaren Mitteleinsatz. Durch mangelnde oder gestörte Kommunikation können solche Konflikte zu richtigen Problemen ausarten. Viele dieser wahrgenommenen Probleme können mit der Zeit dazu führen, dass die Produktivität eines Teams oder einer Abteilung nachlässt.

Nach Boris Gloger (2011) ist eine der wichtigsten Aufgabe des ScrumMasters, dies zu verhindern.  Damit der ScrumMaster die kontinuierliche Produktivität seines Teams gewährleisten kann, muss er solche Konflikte als Impediments wahrnehmen und lösen. Nur wie kann er Konflikte, wenn sie schon entstanden sind, lösen? Schon Descartes hat sich mit dem Prozess der Problemlösung beschäftigt und folgende 5 Phasen beschrieben:

  1. Das Problem identifizieren. Am besten die Problemstellung als Frage herausarbeiten.
  2. Das Ziel bestimmen und messbar definieren.
  3. Die Ursachen herausfinden und die Schwierigkeiten analysieren.
  4. Konstruktive Lösungsideen entwickeln und nach „pro“ und „contra“ gewichten.
  5. Entscheidung treffen und einen Aktionsplan vereinbaren.

Um die beschriebenen Phasen erfolgreich umzusetzen, ist es wichtig, bestimmte Fertigkeiten in den Kommunikationsprozess mitzunehmen. In Problemsituationen werden leicht persönliche Beziehungen mit den anstehenden Konflikten vermischt. Um eine konstruktive Lösung für alle Beteiligten zu erzielen, ist es nach Berkel (2008) immer vorteilhaft:

  • kritisch zu sein gegenüber Ideen, und nicht gegenüber Personen.
  • die eigene Selbstachtung zu trennen von der Kritik, die an den eigenen Ideen geäußert wird.
  • zu versuchen, zur besten Lösung zu kommen und nicht, gegen eine Partei zu „gewinnen“.
  • den Ideen anderer zuhören, auch wenn man nicht mit ihnen übereinstimmt.
  • wiederzugeben, was man verstanden hat.
  • Unterschiede zu erarbeiten und dann das Gemeinsame zu suchen.
  • bereit zu sein, die eigene Meinung zu ändern, wenn die Evidenz gegen sie spricht.
  • der goldenen Regel zu folgen: Andere so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.

Als ScrumMaster sollte man nicht vergessen, dass Konflikte für jedes Team äußerst wertvoll sind! Sie machen Probleme bewusst und drängen auf Veränderung. Indem sie einen gewissen Druck erzeugen werden Beziehungen vertieft und die Zusammenarbeit angeregt. Dadurch entstehen neue Impulse und kreative Ideen, aus welchen die Arbeit nur profitieren kann. Ob ein Team am richtigen Weg zur Konfliktlösung ist, merkt man daran, dass die unterschiedlichen Meinungen versuchen sich aneinander anzunähern und den maximalen Gewinn für alle zu erzielen.

Tipp: Den Umgang mit Konflikten lernen und ihr Potenzial erkennen – im ScrumMaster Pro Training KonfliktManagement!

Literatur:

B. Gloger (2011). Scrum – Produkte zuverlässig und schnell entwickeln. Hanser Verlag

K. Berkel (2008). Konflikttraining- Konflikte verstehen, analysieren, bewältigen. Verlag Recht und Wirtschaft GmbH