Und als ich hinauszog, die Welt zu bescrummen, so erkannte ich, wie vielseitig einsetzbar es tatsächlich ist. Jeden Prozess können wir mit Scrum optimieren und jedes Scrum-Team wird effizienter und hat Spaß bei der Arbeit. Mit strahlenden Augen sitze ich in jeder neuen Situation da, die ich als mögliches Scrum-Einsatzfeld erkenne. Und gerade las ich ein Buch über Coaching- und Interventionsmethoden, als ich plötzlich aufstehen, die Tür des Zugabteils aufreißen und rufen wollte: „Leute – ich habe etwas entdeckt! Scrum ist eine Coaching-Methode!!! Ja, wir machen Coaching und ja, wir machen Scrum. Und wir begleiten Menschen, die Scrum machen und nennen es Scrum Coaching. Das ist nichts Neues, das gibt es schon lange. Aber ich meine Scrum selbst als Coaching-Methode!”

Wissen, was man will

Um ein glücklicher Mensch zu sein, muss ich wissen, was ich will, das Ziel positiv formulieren und mir auf dem Weg zu meinem Ziel immer klarer werden, wie es denn tatsächlich aussehen wird. Je klarer meine Vorstellung von dem Ziel heute schon ist, desto leichter erscheint mir der Weg dorthin. Genau das ist es ja, was wir in Scrum erreichen wollen. Liebe Leute, wenn ihr ein Produkt entwickeln wollt, braucht ihr ein Ziel und eine klare Vorstellung davon. Sprecht ganz viel darüber, macht euch zunächst klar, was ihr wollt und überlegt euch dann, wie ihr es erreichen könnt! Dann, wenn Klarheit herrscht, geht die Umsetzung fast wie von selbst. Wir merken das in den Sprint Plannings – je klarer der PO die Story an das Team kommuniziert, desto einfacher wird die Bearbeitung. Heruntergebrochen auf einzelne Schritte kann ich dann nachvollziehen, wie nah ich meinem gesteckten Ziel schon gekommen bin und kann meine Anstrengungen am Taskboard sehen.

Scrum-Coaching bekommt für mich nun eine ganz andere Bedeutung, wenn ich meine Entwicklungs- und Lebensziele damit erreichen möchte. Als Selbstcoaching-Tool beispielsweise. Also nicht IN Scrum, sondern MIT Scrum coachen. Ich meine damit: ob ich eine Software entwickle oder ein anderes geistiges Produkt – mit Scrum sollte das doch funktionieren. Angenommen, ich setze mir als Ziel, mehr mit meiner Familie zusammen zu sein. Dann stelle ich mir die Frage: “Was will ich eigentlich genau, was will ich erreichen, was sind Rahmenbedingungen, die mich einschränken? Und wie finde ich am Ende heraus, dass ich mein Ziel auch tatsächlich erreicht habe?” Ich gehe also einmal im Geiste oder auf Papier die PO Checkliste durch. Und dann überlege ich mir, welche Schritte nötig sind, was muss ich tun: Mit meinem Chef über neue Arbeitszeiten sprechen, einen Homeoffice-Platz einrichten, etc. Mit dem Unterschied, dass ich selbst mein eigener PO und Teil des Umsetzungs-Teams bin. Zusammen mit meinen Kollegen, meiner Familie und Freunden, die mir bei der Erreichung meines Ziels helfen können. Aber ich brauche einen ScrumMaster, meinen Coach, der mich daran erinnert, dass ich an meinem Ziel arbeiten muss. Wenn ich einen Coach habe, der mich unterstützt, ist das wunderbar. Wenn ich selbst auch noch mein eigener Scrum Master sein muss, wird es schwierig. Da stecke ich in zu vielen Rollen gleichzeitig und muss sehr diszipliniert bleiben. Aber dann kann ich mir mit Scrum Artefakten oder Tools helfen. Zum Beispiel kann ich an einem Taskboard die Umsetzung organisieren und mich fokussieren. Am Ende kann ich dann reviewen, ob ich mein Ziel erreicht habe und den Prozess reflektieren.

Heureka! Scrum ist überall!

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In ihrer Arbeit sieht Deborah Weber sehr deutlich, wo die Vorteile agiler Ansätze in wirtschaftlicher und menschlicher Sicht liegen: Die Wertschöpfung in den Arbeitsprozessen steigt. Jeder Mitarbeiter weiß, wofür er oder sie arbeitet und identifiziert sich mit den Produkten. Dass jeder Mitarbeiter seinen Stärken gemäß eingesetzt wird, wirkt motivierend und hebt die Produktqualität. Um an diesen Punkt zu gelangen, schafft sie den Überblick über den gesamten Prozess und arbeitet mit vollem Einsatz und mit allen Betroffenen am Gelingen der Veränderung.
  • Test ning

    Hm … ich verstehe nicht ganz, was daran so speziell neu ist (ausser die Nutzung der Scrum-Terminoligie) im Vergleich zu den etablierten Coaching-Vorgehensweisen, etwa des “Lösungsorienteierten Ansatzes”.
    Was ist mir da allenfalls entgangen? 

    • Deborah Weber

      Hallo Test ning, 
      danke für deine Nachfrage! Nicht für Jeden mögen meine Ausführungen neu sein. Ich treffe jedoch immer wieder auf Scrum-Anwender ohne Coaching-Background, die sich konkrete Methoden wünschen, ihre Ziele auch wirklich zu erreichen. Der Wille ist zwar oft da, aber der Weg der Umsetzung schwierig anzugehen. Wem das Scrum-Framework bereits bekannt ist, kann also mit der bereits vertrauten Methode seine Ziele ein Stück einfacher erreichen. Wenn du Coaching-Knowhow hast, ist mein Artikel vermutlich für dich nichts Neues, aber vielleicht hilft auch dir die Parallele zu dem Scrum-Prozess dabei, eine schrittweise Vorgehensweise an der Hand zu haben. 
      Beste Grüße, 
      Deborah.