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Ich habe es Ihnen versprochen! Im Beitrag “Work on what works – wie ich versuche, meine Teamperformance zu verbessern” habe ich gesagt, dass unsere Retrospektive nicht  lösungsfokussiert ist. Warum sage ich sowas?

Die „Solution Focused Brief Therapy“ (kurz SFBT) wurde in den 80-iger Jahren von Steve de Shazer, Insoo Kim-Berg, Peter de Jong und dem Team des Brief Family Therapy Center in Milwaukee entwickelt. In mehreren tausend Stunden wurden therapeutische Gespräche analysiert und wissenschaftlich ausgewertet, um zu erkennen, welche Fragen und welches Verhalten sowohl des Fragestellers (Therapeut und Coach) als auch des Klienten zu verlässlichen, anhaltend positiven Ergebnissen führen.

Die herausragendste Bedeutung kommt der geänderten Herangehensweise zu. Zentraler Ansatzpunkt des SFBT ist die intensive Beschäftigung mit jenem Szenario, in dem das geschilderte Problem nicht mehr behindert (Impediment Free Space). Wenn das Problem gelöst ist, wenn ein idealer, gewünschter Zustand erreicht ist. Aus diesem Blickwinkel werden nun die bereits vorhandenen und zur Lösung notwendigen Ressourcen gefunden.

„Was kann verbessert werden?“

So oder so ähnlich lautet die Frage, die wir in unseren regelmäßigen Retropsektiven an unser Team stellen. Doch worauf zielt diese Frage ab? Womit beschäftigen sich nun unsere Teammitglieder?

In der Beantwortung dieser Frage tauchen wir stark in unsere Problemwelt ab. Wir beschäftigen uns mit jenen Dingen, Abläufen, Kommunikationsformen und Verhaltensweisen, die sich als Probleme des letzten Sprints herausgestellt haben. Wir befinden uns auf dem Weg, Probleme zu finden, zu analysieren und zu lösen. Nicht selten bleiben Teams genau in diesem Prozess stecken und beginnen den „Kampf“ mit der Time Box. Fast jeder ScrumMaster kennt die Phase, in der es nur noch sehr schwer gelingt, die entscheidenden Maßnahmen abzuleiten, um Verbesserungen für den kommenden Sprint umzusetzen.

Mit dem lösungsfokussierten Ansatz beschäftigen wir uns jedoch mit dem bereits gelösten Zustand. Wir finden die Ressourcen zur Erreichung des Lösungszustandes. Zusätzlich erzeugen wir ein Verlangen (“desire” trifft es besser) nach diesem sinnerfüllten, befriedigenden Zustand des Impediment Free Space, der uns hilft, in einen wunderbar produktiven Flow zu kommen. Ich bin überzeugt, und die wissenschaftliche Forschung zur SFBT zeigt es: Wir würden uns mehr der Lösung zuwenden, wenn wir eine Frage stellen würden, die unser Team in  die problemfreie Zukunft versetzen könnte. Zum Beispiel:

„Angenommen, wir hätten all die Hindernisse, Probleme und Einschränkungen des abgelaufenen Sprints nicht mehr.
Wie würde sich das im Tun in unserer Arbeit bemerkbar machen?
Woran würden wir diese Veränderungen bemerken?
Woran würden andere diese Veränderungen bemerken?“

Ich bin überzeugt, dass wir durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem lösungsorientierten Vorgehen die ohne Zweifel vorhandenen großartigen Ressorurcen unserer Teams noch besser nutzbar machen können. Die größte Herausforderung für ScrumMaster liegt darin, diese Potenziale freizusetzen und zu aktivieren. Mit dieser Herangehensweisen können wir für die raschere, erfolgreiche Entwicklung unserer Produkte einen wesentlichen Beitrag leisten.

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Dass Ab-Arbeiter wieder zu Mit-Arbeitern werden – das fasziniert Martin Stallmaier an Scrum. Anstrengender als jede Veränderung findet er nämlich den Stillstand. Wenn alles in festgefahrenen Bahnen kleben bleibt und der Geist langsam vertrocknet. Dabei ist es so einfach: Rasches Feedback, gegenseitige Inspiration im Team und lösungsorientierte Kommunikation legen die Talente des Einzelnen frei. Dadurch entsteht nicht nur Innovation, sondern auch der individuelle Sinn, der für Menschen den Spaß an der Arbeit ausmacht.
  • der alex

    Hallo interessanter Artikel!
    Mir stellt sich die Frage nach der praktischen Durchführung die bereist oben angeschnitten wurde:1. Impediment Free Space Bsp: „Angenommen, wir hätten all die Hindernisse, Probleme und Einschränkungen des abgelaufenen Sprints nicht mehr.2. Sammlung Wie würde sich das im Tun in unserer Arbeit bemerkbar machen?- “Wir hätten mehr Zeit um Features zu entwicklen anstatt imediate Live bugs zu fixen.”
    Woran würden wir diese Veränderungen bemerken?- “s.o.”Woran würden andere diese Veränderungen bemerken?“- “s.o.”Wie leitet man dann aber action points oder bzw. to dos ab?Das mir leider noch nicht ganz klar…

  • Martin Stallmaier

    Danke für Dein Interesse. Wenn ich deine Frage richtig verstanden habe, möchtest Du wissen, wie der nächste Schritt aussieht. Wenn es Dir gelungen ist, das Team schön in die problemfreie Welt zu führen, sie so richtig in der Zukunft schwelgen, wird es auch Zeit, sie wieder abzuholen. Ich mache dann mit einer gut eingeführten Skalierungsfrage weiter. Zum Beispiel: “Helft mir nun, unsere momentane Teamsituation einzuschätzen, auf einer  Skala von 1 bis 10 – eins stellt den Zustand dar, bei dem es total schlecht läuft mit unserem Team und 10 ist jener Punkt, den wir alle gerade beschrieben haben.  Wo stehen wir heute Eurer Meinung nach?” Deine Team-Mitglieder werden eine Zahl nennen und es liegt an Dir, ob Du diesen Wert als Mittelwert aufnimmst oder es als Momentaufnahme nicht weiter verwenden möchtest. Nun aber kommt der Punkt, nach dem Du gefragt hast: “Gut, danke für Eure Einschätzung. Ich bitte Euch nun, Dinge aufzuschreiben / zu nennen / macht mir Vorschläge – wie und womit gelingt es uns, unsere Zusammenarbeit, um nur einen kleinen Punkt auf dieser imaginären Skala zu verbessern?” Und schon lassen sich aus der zuvor von dir erzeugten sehr positiven Zukunft Maßnahmen für das hier und heute ableiten. Maßnahmen, auf deren Umsetzung alle große Lust haben und auch sehr gut intrinsisch Motiviert sind.

    Ich wünsche Dir gutes Gelingen und stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung.