Am eigenen Leib habe ich erfahren, dass es einfach nicht ausreicht, wenn man seine PO-Aufgabe nur halbherzig wahrnimmt. Zu Beginn eines privaten Projektes – dass das Überleben meiner Pflanze zum Ziel hatte, obwohl ich die Woche über ständig unterwegs war -  sprudelten die User Stories nur so aus mir heraus. Die Vision war klar und die Priorisierung leicht.

Doch nachdem die ersten Erfolge schnell sichtbar wurden, ließ ich es zugegebenermaßen etwas schleifen. Der „Nachschub“ für den Entwickler war unklarer als noch zu Anfang. Aufgrund seiner hohen Motivation entwickelte er jedoch fleißig weiter. Leider führte das dazu, dass ich mich immer weniger mit dem Produkt identifizierte, immer weniger Spaß an der Abnahme der Stories hatte und auch immer mehr Verbesserungen nötig wurden. Die Aussage: “Genau so wollte ich es haben!” und die damit verbundene positive Rückmeldung an den Entwickler wurde immer seltener. Kein Wunder, dass das die Motivation des Entwicklers nicht gerade beflügelte. Er machte nunmehr das, von dem er glaubte, dass ich es wollte und das, was ihm besonderen Spaß machte. Ein sich selbst verstärkender Prozess, denn ich erkannte mich immer weniger wieder und ließ ihn einfach machen.

Als wir uns nach einiger Zeit

mal wieder die Zeit nahmen die Nutzer-Brille aufzusetzen, stellten wir mit Erstaunen fest, dass sich die Vision des Produktes mittlerweile komplett verändert hatte. Eine Weiterentwicklung in die „alte“ Richtung konnte also keinesfallszu Mehrwert führen. Mir wurde bewusst, warum ich mich so abgehängt gefühlt hatte bzw. mich selbst abgehängt hatte.
Ich nehme für mich mit: Ganz oder gar nicht. Wenn ich mir wieder die Zeit nehme, werde ich es nicht mehr halbherzig angehen!

 

Als PO muss man mittendrin, statt nur dabei sein …

Man muss sich die Zeit nehmen wollen, es richtig zu tun!

Avatar of Kristina Klessmann
Über Tatsachen reden statt Floskeln zu schwingen ist die Art und Weise, wie Kristina Klessmann an ihre Arbeit herangeht und dabei verlangt sie nicht nur von anderen, sondern vor allem von sich selbst Flexibilität im Denken. Direkte Fragen, die von ehrlichem Interesse getragen und manchmal mit ein wenig Ironie garniert sind, sind für sie der Schlüssel zum Gegenüber. Pragmatismus im Handeln, anpacken und auch den ersten Schritt für andere in die Veränderung zu gehen, ist ihre zweite große Stärke.