Da geht man zu einem Seminar und denkt  “Was kann der einem schon erklären?” Und das Erste, was man lernt, ist dann Folgendes: Es gibt einen mathematischen Grund dafür, dass es unsinnig ist, ein Team zu 100% auszulasten. Don Reinertsen zeigt in seinem Seminar “Second Generation Lean Product Development. Applying the Principles of Flow” mit Hilfe einer einfachen mathematischen Formel auf, dass zu hohe Auslastungsquoten zu Unproduktiviät führen.

Wenn man jedoch eine Führungskraft fragt, ob er oder sie bereit ist, zu akzeptieren, dass ein Team nur zu 80% ausgelastet ist: Was wird wohl die Antwort sein? „Auf keinen Fall! Jeder soll vollkommen und am besten zu 100% ausgelastet sein.”

Tom DeMarco schrieb ein ganzes Buch darüber, um zu zeigen, dass diese Idee falsch ist. In “Slack” (deutsch für “Spielräume”) schreibt er, dass es notwendig ist, Spielräume einzubauen und Menschen nicht komplett auszulasten. Er hat Recht. Und sogar aus einer produktionstechnischen Sicht heraus, wie diese Grafik zeigt: Bis zu einer Auslastung von 80% liegt die durchschnittliche Anzahl an Aktivitäten, die warten müssen, unter 5 Aktivitäten. Bei über 90% Auslastung steigt die Anzahl der wartenden Aktivitäten sprunghaft an. Bei Auslastungen von nahe 100% wird die Anzahl der Dinge, die warten müssen, riesig.Eine Team-Auslastung von über 80% führt also zu einer sehr langen Aufgabenliste, die zu bearbeiten ist. Lange Aufgabenlisten erzeugen aber eine längere Durchlaufzeit für jede Aufgabe. Sie erhöhen das Risiko, dass man an etwas arbeitet, das bereits obsolet ist. Sie erzeugen höheren Veränderungsdruck, mehr Overhead, geringere Qualität und geringere Motivation. Wir kennen das alle: Wenn man eine lange Liste von Dingen zu tun hat, mag man gar nicht so richtig anfangen.

Also lasst uns endlich damit aufhören, Menschen zuzumuten, immer komplett ausgelastet sein zu müssen. Es ist einfach unproduktiv und macht keinen Sinn. Reduzierung der Arbeitsbelastung führt zu Effektivität. Komisch aber wahr.

Die nächste Chance auf Don Reinertsen live: 

Second Generation Lean Product Development
Applying the Principles of Flow

am  10. und 11. September 2012 in München

„Mut“ ist jener Wert von Scrum, mit dem sich Boris Gloger am stärksten identifiziert. Er hat in seinem eigenen Leben keine Angst vor radikalen Entscheidungen und vor dem Glauben an eine Idee. Für kein Geld der Welt würde er sich Regeln unterwerfen, die keinen Sinn machen. Er glaubt an Scrum, weil es nicht nur bessere Produkte, sondern auch eine bessere und menschlichere Arbeitswelt schaffen kann.