Früher oder später stellt man uns im Rahmen der Scrum-Einführung unumstößlich die Frage, ab wann denn der Projektplan wieder “stimmt”. Zumeist stellt sich uns – zumindest innerlich – die Gegenfrage “hat er das denn jemals – gestimmt?”… Aber was will ich damit sagen?

Es gibt ein wichtiges Prinzip, welches konsequent übersehen, ignoriert oder ausgeblendet wird:
Agil arbeiten = Anerkennen, dass sich Dinge ändern werden.

Diese Annahme findet sich in allen Büchern, auf allen Seiten… und dennoch nicht in den Köpfen. Die meisten Unternehmen sind bereit, agil zu entwickeln, aber sich vom Gantt-Chart zu lösen tut weh.

Mike Cohn schreibt über agile Verträge “…the best contracts acknowledge that change in requirements will happen.” und spricht in diesem Zusammenhang über emergent requirements, sprich solche Anforderungen, die erst während der Arbeit entstehen bzw. auffallen.

Die Logischen und Realistischen unter uns können dem doch nur zustimmen, oder nicht? Die Entwicklung einer neuen Software oder neuer Komponenten ist irgendwie immer auch eine Erfindung (“Erfindungen sind schöpferische Leistungen auf technischem Gebiet, durch die eine neue Problemlösung, … ermöglicht wird.”).

Damit wird noch klarer, was es bedeutet, in einem dynamischen Umfeld zu arbeiten: es heißt akzeptieren, dass der Anteil dessen, was ich nicht weiß ist größer als der Anteil dessen, was ich weiß!
Ein guter Plan trägt dem Rechnung.

Es liegt ein langer Weg vor uns, bis dieses Prinzip in allen Köpfen angekommen ist …
Halten wir es mit Goethe: „Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein.“