Ich werde immer wieder gefragt, was denn die Todsünden beim Implementieren von Scrum sind. Basierend auf den Erfahrungen, die wir in den letzten 10 Jahren gemacht haben, möchte ich Euch diese 3 Punkte nennen:

  1. Das Management nimmt einen Teamleiter oder Lead Developer und erkürt ihn zum ScrumMaster.
    1. Der Teamleiter: Die Teammitglieder werden nicht verstehen, dass der Teamleiter plötzlich nicht mehr ihr Chef ist. Sie werden dennoch unbewusst die Verantwortung für alles an ihn delegieren. Der Teamleiter wird in diesem Fall vom Management nicht aus der Verantwortung entlassen. Das führt dazu, dass er immer unbewusst als Teamleiter reagiert.
    2. Der Lead Developer: Ein Lead Developer, der plötzlich, nur wegen seiner Position, nicht mehr codieren darf, findet sich in der Regel sehr schwer damit ab, dass sein Wissen als Entwickler nicht mehr gefragt ist.
  2. Der ScrumMaster glaubt, man müsse Scrum an die Verhältnisse des Unternehmens anpassen und lässt sich deshalb zu schnell darauf ein, die alten Prozesse mit Scrum zu mischen.
    1. Unsere Erfahrung ist, dass die ScrumMaster, die anfangs konsequent, scrum-by-the-book, machen, sind erfolgreicher. Diese Erfahrung habe ich selbst zu Beginn mit Scrum gemacht. Zuerst habe ich auch scrumlike Scrum implementiert. Als ich aber 2003 aus den USA zurück kam und einfach konsequent umgesetzt hatte, was ich von Ken gelernt hatte, waren wir plötzlich um Längen produktiver.
  3. Der Product Owner ist keine Vollzeit-Product-Owner, oder hat mehr als ein Team zu betreuen. 
    1. Entgegen der Annahme, dass man ruhig mehrere Projekte gleichzeitig als PO steuern könnte, muss ich leider mitteilen, dass das äußerst unproduktiv ist. Jeder unserer Scrum Implementierungen zeigt das wieder. Der aktuelle Fall zeigt, dass der PO nicht gleichzeitig in zwei Sprint Planning sein konnte. Eigentlich logisch, das hinderte die Synchronisation der Sprints, was eine ganze Abteilung weniger effektiv arbeiten lässt.
    2. Der Product Owner hat einfach viel zu viel zu tun, wenn er mehr als ein Produkt betreuen soll. Es wird leider von Unternehmen immer wieder unterschätzt, dass man Produkte auch warten muss. Ein Produkt ist kein Projekt. Produkte haben einen Lebenszyklus, der erst anfängt, wenn man es auf den Markt geworfen hat. Viele Unternehmen vergessen, dass ihre alten Produkte auch ständig weiterentwickelt werden müssen. Hier ist der PO gefordert, dem Unternehmen klar zu machen, dass er auch nach der Entwicklung des Produktes für das Produkt verantwortlich ist und auch bleiben muss.

Es gibt noch eine Reihe von weiteren Fehlern, aber fürs erste ist genug denke ich.

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„Mut“ ist jener Wert von Scrum, mit dem sich Boris Gloger am stärksten identifiziert. Er hat in seinem eigenen Leben keine Angst vor radikalen Entscheidungen und vor dem Glauben an eine Idee. Für kein Geld der Welt würde er sich Regeln unterwerfen, die keinen Sinn machen. Er glaubt an Scrum, weil es nicht nur bessere Produkte, sondern auch eine bessere und menschlichere Arbeitswelt schaffen kann.
  • http://www.phpdevblog.net/ Dominik Jungowski

    Ich weiß grad nicht, ob ich mich freuen soll oder nicht, dass wir bis auf 3. alle hier genannten Fehler auch gemacht haben… ;-)